Marion Schumann, Mentorin für Frauen mit Lipödem, lächelt offen auf ihrem Balkon vor grünem Hintergrund

Offenheit: Wenn die Diagnose keine Wand mehr ist

June 03, 20263 min read

Offenheit: Wenn die Diagnose keine Wand mehr ist

Marion Schumann, Mentorin für Frauen mit Lipödem, lächelt offen auf ihrem Balkon vor grünem Hintergrund
Offen sein heißt nicht, immer stark zu wirken. Es heißt, sich zu zeigen, so wie man gerade ist.

Es gibt diesen einen Moment, in dem ein Wort plötzlich alles verschiebt. Lipödem. Oder Lymphödem. Du sitzt da, hörst es, und für einen Augenblick fühlt es sich an, als hätte jemand eine Tür leise zugezogen. Vor dir liegt nicht mehr der Weg, den du dir gedacht hast. Da steht etwas. Etwas, das du nicht gewählt hast und trotzdem tragen sollst.

Viele Frauen erleben diesen Tag genau so. Als Blockade. Als Punkt, an dem etwas zu Ende geht und nichts Neues anfängt. Und ich verstehe das, weil ich diesen Tag selbst kenne. Du gehst nach Hause, funktionierst weiter, kochst Abendessen, beantwortest Nachrichten, lächelst, wenn jemand fragt, wie es war. Und tief drinnen sitzt etwas, das du niemandem zeigst. Nicht Wut, nicht Trauer, nicht Angst, einfach alles auf einmal, zusammengepresst auf einen kleinen Fleck, den keiner sehen darf.

Das ist es, was ich bei so vielen von euch spüre. Ihr habt früh gelernt, dass Gefühle stören. Dass man stark sein soll, vernünftig, pflegeleicht. Also drückst du weg, was wehtut, und machst weiter. Das geht eine Weile gut. Aber jedes Gefühl, das du wegschiebst, verschwindet nicht. Es bleibt im Körper. Als Spannung, als Druck, manchmal als dieser stille Schmerz, für den es keine Worte gibt. Welches Gefühl drückst du gerade weg, nur um weiter zu funktionieren? Vielleicht ist es genau das, das gehört werden will.

Offenheit heißt, diese Tür wieder einen Spalt zu öffnen. Nicht für die ganze Welt, erst einmal nur für dich. Es heißt, traurig sein zu dürfen, ohne dich dafür zu schämen. Wütend, ohne dich gleich zu verurteilen. Unsicher, ohne so zu tun, als hättest du alles im Griff. Offenheit ist keine Schwäche und sie ist auch kein Zustand, in den du irgendwann von allein hineinrutschst. Sie ist eine Entscheidung. Du entscheidest dich, ehrlich zu dir zu sein über das, was die Diagnose mit dir macht. Und in dem Moment, in dem du das tust, verändert sich etwas Leises. Die Wand vor dir wird durchlässiger. Sie ist nicht mehr nur Blockade. Sie wird zu etwas, an dem du dich verändern darfst.

Denn Veränderung und Offenheit gehören zusammen. Solange du verschlossen bleibst, fühlt sich alles Neue wie eine Bedrohung an. Sobald du offen bist, auch dir selbst gegenüber, darf die Veränderung kommen, ohne dass du dich gegen sie stemmen musst. Du musst die Diagnose nicht lieben. Du darfst sie schwer finden. Aber du musst nicht länger so tun, als wäre da nichts. Genau dieses Aufhören mit dem "So-tun-als-ob" ist der Anfang vom Annehmen.

Wenn du magst, lade ich dich heute zu einem ganz kleinen Schritt ein. Such dir einen Moment, in dem dich niemand braucht. Setz dich hin, ganz ruhig. Leg eine Hand auf die Stelle deines Körpers, die du am schwersten annehmen kannst. Die, an der du sonst schnell vorbeischaust. Und dann atme. Nichts musst du lösen, nichts musst du reparieren. Sag innerlich nur diesen einen Satz: Ich darf fühlen. Ich darf hier sein. Wenn dabei etwas hochkommt, Tränen, ein Kloß im Hals, eine Wut, dann lass es da sein. Es will nicht bekämpft werden. Es will gesehen werden, einmal, von dir.

Du wirst merken, dass nichts Schlimmes passiert, wenn du ein Gefühl zulässt. Im Gegenteil. Etwas in dir wird ein bisschen weicher. Die Diagnose ist immer noch da, ja. Aber sie steht nicht mehr wie eine Wand zwischen dir und deinem Leben. Sie ist Teil deines Weges geworden, und Wege darf man gehen, auch wenn sie nicht der ist, den man sich ausgesucht hätte.

Offenheit bedeutet nicht, dass du ab heute alles fühlst und alles weißt. Es bedeutet nur, dass du dir erlaubst anzufangen. Eine Tür, einen Spalt, ein Gefühl. Mehr braucht es heute nicht.

Ich bin Marion. Ich begleite Frauen mit Lip- und Lymphödem auf dem Weg zu mehr Körperakzeptanz – als Mentorin, nicht als Lehrerin. Ich stehe nicht vor dir, sondern neben dir, weil ich diesen Weg selbst gegangen bin.
Mit Body Revolt zeige ich dir keinen schnellen Fix und kein "Danach bist du glücklich". Ich begleite eine Entscheidung: den Moment, in dem du dich entscheidest, dich selbst mit Liebe zu betrachten. Das verändert alles – nicht deinen Körper, sondern deinen Blick auf ihn.

Marion Schumann

Ich bin Marion. Ich begleite Frauen mit Lip- und Lymphödem auf dem Weg zu mehr Körperakzeptanz – als Mentorin, nicht als Lehrerin. Ich stehe nicht vor dir, sondern neben dir, weil ich diesen Weg selbst gegangen bin. Mit Body Revolt zeige ich dir keinen schnellen Fix und kein "Danach bist du glücklich". Ich begleite eine Entscheidung: den Moment, in dem du dich entscheidest, dich selbst mit Liebe zu betrachten. Das verändert alles – nicht deinen Körper, sondern deinen Blick auf ihn.

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